Zwischen Hoffnung und Trauer
Los ging alles schon am Flughafen in Frankfurt. Wir hatten über eine nette Fluggesellschaft (Air Berlin), die auch mal bereit ist Hilfsgüter einzubuchen und auch mehrere Hund auf eine Person mitnimmt, gebucht. So musste aber der Umweg über´s Festland gewählt werden, da die Insel 1. nur einmal pro Woche angeflogen wird (und wir somit eine ganze Woche hätten bleiben müssen, was nicht möglich ist, wenn man Familie und Tiere hat) und 2. die Direktfluggesellschaft pro Fluggast nur einen Hund zurück erlauben würden.
Da die Fluggesellschaft aber über eine andere Gesellschaft wiederum (fremd-)bucht, mussten wir leider am Flughafen schon die erste Hürde überwinden. Die angeforderten und auch telefonisch bestätigten 30 kg Hilfsgüter (in Form von leeren Flugboxen, Halsbändern und Leinen) wurden uns von einer sehr unfreundlichen und leicht entnervten Dame am Schalter nicht gestattet. Nach mehreren Anrufen und wiederum Gesprächen mit der genervten "Dame" am Schalter und einigem Hin- und Herschicken zum Wiegen, klebte sie mir mit den Worten: „Ich hab ja auch meine Vorschriften" und „Das ist keine Schikane“ den Kleber für den Freitransport dann doch drauf. Neiiiiiiiiiiiiiiiiiiiin, keine Schikane! Nur komisch, dass es beim ersten Mal bei den gleichen Bedingungen bei einer dem Tierschutz zugetanen netten Dame ohne irgendwelche Probleme ging. Naja , egal - Haken dran und weg.
Voller Tatendrang und beäugt von neugierigen Blicken der Mitpassagiere, kämpften wir uns in Griechenland gelandet, zu unseren Boxen in Großformat (schwer dazu) durch. Man glaubt ja nicht, wieviel Angst die Leute haben, ihr Koffer könne ohne sie irgendwo hin fahren auf dem Band, was ja immer rund fährt - "da lass ich mal gar keinen vor".
Schnell mal eben 30 kg vom Band wuchten, zwischen Haufen von Touristenfüßen durchschlängeln und auf einen Wagen wuchten. Die nächste Schwierigekeit war, ein Taxi zu finden, das unsere Boxen auch mitnimmt. Das 1. Taxi hatte den Kofferraum schon mal zu klein (Kombis – Fehlanzeige!), so dass wir auf ein anderes ausweichen mussten. Der Flughafen dort liegt ca. eine halbe bis dreiviertel Stunde entfernt vom Hafen, von wo aus wir die Fähre nach Zakynthos kriegen wollten. Der griechische Taxifahrer schaute schon komisch und hat letztlich auch mehr Geld für den Transport der Boxen genommen (Hunde nehmen die da gar keine im Auto mit). Wir fuhren in einer Affengeschwindigkeit dort weg und nach ein paar hundert Metern auf der Hauptstrasse ein totgefahrener Hund. Er konnte noch nicht sehr lange dort liegen. Mußte gerade erst passiert sein. Der Taxifahrer fuhr geradewegs darauf zu und verringerte sein Tempo kein bisschen. Ich hielt die Luft an und sagte zu Kirsten, dass ich schreie, wenn der jetzt noch extra da drüber fahren würde. Dann alle paar hundert Meter Tierkadaver, von denen man nicht mehr genau erkennen konnte, was es mal war - Hund oder Katze. Es war nur noch platt gefahrenes Fell übrig. Mir war schon ganz schlecht und wurde sofort bewusst, was ein Tier dort wert war. Keiner würde für ein Tier dort bremsen oder ausweichen, geschweige denn es aufheben und versorgen wollen.

Auf der Insel angekommen, wartete Angelika schon sehnsüchtig auf unser Kommen. Wir luden alles ein und machten uns (schon Abend geworden) auf den Weg zu Angelikas Haus. Auf dem Weg dorthin sahen wir bereits mehrere Hunde, die an kurzen Ketten hängend, manchmal direkt an der Strasse, angebunden ihr armseliges Leben frissten mussten.
Manche haben eine zusammen geschusterte Hütte, andere nur eine verrostete Tonne als Schutz vor Regen und Kälte in der Nacht bzw. der am Tag gnadenlosen Sonne.

Dort hat die kleine Xera dann Nina gelebt, bevor wir sie nach Deutschland holen konnten. Rechts ist die Tonne zu sehen, an der sie angekettet war. Das ist in unmittelbarer Nachbarschaft von Angelika. Abends wurde heiß dikutiert, was am nächsten Tag alles in Angriff genommen würde und wir stellten sofort fest, dass die Zeit zu knapp für alles werden würde. Wir ahnten noch nicht, wie knapp!
Als wir vorfuhren sah ich schon, dass die Welpen in einem kleinen betonierten Gelände mit einer winzig kleinen Hütte drauf saßen, wo sie Tag und Nacht verbringen mussten. Wir gingen hinein und als ich Arnie sah, war mir sofort klar, dass dieser Welpe krank war. Er hatte einen furchtbar aufgeblähten Bauch, der fast zu platzen drohte. Entsetzt bat ich, den Hund doch bitte einem Tierarzt vorzustellen. Marylin meinte nur, er würde doch noch fressen und auch Kot absetzen, also alles wunderbar. Da leider Sonntag war, hatten wir keine Chance einen Tierarzt aufzutreiben und es machte sich wieder eine Hilflosigkeit breit, die einen von innen her furchtbar lähmt und sich in's Gehirn brennt wie eine Wunde.
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Kirsten sieht sich die Pfote von Lena an. Sie ist eine ganz liebe Hündin, die dort null Chancen hätte. Wir beschließen sie auch impfen zu lassen, damit sie nach Deutschland reisen kann und ihre Pfote dort behandelt werden kann. Im Hintergrund sind noch Cutie und Elsa zu sehen.
In Einzelhaft, da sie sehr krank war und Marylin sie eigentlich am Montag, wenn sie dann auch noch nichts bei sich behalten würde, zum Einschläfern bringen wollte, sitzt wie ein Häufchen Elend Pom-Pom. Abgemagert bis auf die Knochen, umgeben von Katzen links und rechts. Eigentlich ist das ein Katzengehege. Ich habe sofort das Bedürfnis, die Kleine in den Arm zu nehmen, aber das darf ich nicht, keiner darf, da die Welpen sich sonst noch anstecken könnten. Mir ist sowieso die ganze Zeit schleierhaft, wie dort in solchen Bedingungen überhaupt ein Welpe überleben kann. Angelika hat sich schon ein dickeres Fell zulegen müssen und sagt: "Hopp oder Topp – so ist das hier nun mal. Nur die Stärksten kommen durch!"

Ich nehme mir vor, nicht zu weinen, tapfer zu sein und den Schmerz runter zu schlucken. In Kirstens Augen sehe ich auch nur Entsetzen und Mitleid.

Speedy ist heiß, wie man unschwer sehen kann, und hat einen potenten Rüden am Hintern hängen, der nur auf die Gelegenheit wartet, sie zu decken. Speedy ist etwas genervt von dem älteren aufdringlichen Knaben, der vermutlich auch den netten Jungspunt Sandy vertrieben haben wird (so hoffe ich zumindest immer noch). Die Müllhalde liegt nicht weit weg vom Flughafen und der Hauptstrasse. Es kommt uns auf einem Nebengelände eine kleine Hündin entgegen gewedelt. Unterwürfig und vorsichtig nähert sie sich uns. Eine ganze Welpenhündin, 3 farbig. Als wir ihr ein Leckerchen gegeben hatten, wich sie uns nicht mehr vom Bein. Wo ihr hin geht, da will auch ich hin gehen! Angelika hatte die Kleine den Freitag vorher noch nicht dort gesehen und wir vermuteten, dass sie irgend jemand dort ausgesetzt haben musste. Weiter hinten kam noch ein "neuer" Hund dazu. Er gab grunzende, nette Geräusche von sich und war direkt so anhänglich, dass wir ihn alle sofort in's Herz schlossen. Wir trauerten auch ein wenig, denn er war schwarz und groß – genau die Art von Hund, die sich keiner so schnell raus sucht aus dem Internet. Dennoch beschlossen wir sogleich, dass so ein netter, lieber Kerl einfach eine Chance verdient hat. Vielleicht würde sich ja jemand melden, der den Jungspund, schätzungsweise gerade mal ein Jahr, aufnehmen würde, wenn er ihn auf unserer Seite sieht. Schade, dass man die Gefühle, die man beim Umgang mit so netten Hunden, nicht über's Internet rüberbringen kann. Dann wäre er wahrscheinlich schon in Deutschland.
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Wir haben die Hunde mit Flohmittel eingesprüht, um sie wenigstens ein wenig von den Plagegeistern zu befreien. Das macht Angelika oft, wenn sie dort hin fährt. In Kirsten wächst die Gewissheit, die kleine Kiki (wie sie sie taufte) nicht zurück lassen zu wollen. Gegen alle Vernunft haben wir die Kleine eingepackt und mit genommen. Wer weiß, ob sie sonst noch am Leben wäre. Aber so ist es eben auf Zakynthos - hopp oder topp.
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Hinten rechts (vor dem Stop –Schild) ist Kirsten zu sehen, wie sie sich nach Kiki bückt. Dort hat sie gelebt. Zwischen Müll und Dreck.

Ruth erkennt Angelika und freut sich. Im Hintergrund ist die Hauptstrasse zu sehen, die quer zur Müllhalde verläuft. Bei jedem Auto was kommt, hält man automatisch die Luft an.

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Von der Müllhalde aus ging es weiter auf der Hauptstrasse Richtung Beryl, der kleinen Auffangstation einer netten Engländerin, die schon seit Jahren immer wieder kranke Hunde aufnimmt und auch unsere Kiki auffangen würde vorübergehend. Auf dem Weg dorthin sahen wir einen alten und abgemagerten, aber immer noch wunderschönen Brackenrüden, der an der Hauptstraße auf und ab lief. Er schien orientierungslos, so wie ein Hund, den man aussetzt und der nicht mehr weiß, wo er überhaupt ist. Er war kupiert und wir vermuteten, dass er von einem Jäger, zu alt geworden und nun nur noch lästig, einfach dort raus geschmissen worden war. Angelika kennt die orientierungslose Suche der Hunde an der Hauptstraße. Hat sie doch schon so oft versucht sie einzufangen und ihnen zu helfen. Manche sind einigermaßen zutraulich, andere durch die fremde Umgebung panisch und ängstlich. Wir hielten an und ich versuchte den alten Knaben zu locken. Er lief, als ich die Kamera hoch hielt um ihn zu fotografieren, in Panik davon und quer über die Strasse. Ich bekam Angst, ihn so zu verschrecken, dass er womöglich noch vor ein Auto laufen würde und das direkt vor unseren Augen. So stieg ich schnell wieder ein, Angelika drehte den Wagen noch einmal und wir fuhren nochmal an ihm vorbei. Seine Augen, die mich fragend und verzweifelt anblickten werde ich niemals vergessen. Helfen konnten wir ihm leider nicht. Das Schlimmste an der ganzen Sache war noch, dass mir Angelika erzählte, dass sie, wenn sie solche Hunde dann endlich einfangen konnte und ihr Vertrauen einigermaßen gewinnen konnte, sie nur zum Tierarzt bringen konnte, der sie dann, wie leider so oft, nur einschläfern konnte. Wer sollte den alten, nutzlosen Hund dort wohl auffangen wollen? Wir bekommen noch nicht einmal Plätze für die jungen und netten schönen Hunde und die Welpen. Da fällt ein solcher Hund komplett durch #s Raster (wieder einmal Hopp oder Topp!)
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Dann plötzlich ein Anruf auf Angelikas Handy. Beryl bittet uns auf dem Weg zu ihr Ausschau zu halten nach einem schwarzen, scheinbar angefahrenen Hund. Wir fahren durch eine Seitenstraße, wo man den Hund gesehen haben will. Suchen so gut es geht den Strassengraben ab….. Nichts! Allerdings schließen sich Felder mit hohem Gras und Gemüse an, wo ein verletzter Hund schnell verschwinden würde. Wir fahren und suchen und suchen... ohne Erfolg.
Endlich dann bei Beryl zuhause und gleichzeitig der Auffangstation, nämlich ihrem Garten, angekommen begrüßen uns draußen im Zwinger schon Klein-Willi, der sehr abgemagert und mit Wunden übersäht ist und Blaze, ehemaliger Flughafenhund. Er soll auch mit nach Deutschland und wurde für die Reise dort vorbereitet.
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Wir sprechen mit Beryl und danken ihr für die Hilfe, die sie immer wieder, trotz aller Probleme, die sie vor Ort hat, den Tieren zukommen lässt. Sie nimmt freiwillig und manchmal auch unfreiwillig (es werden ihr manchmal Tiere über den Zaum geworfen oder draußen einfach angebunden) Hunde und Katzen dort auf. Ende letzten Jahres ist ihr Mann gestorben, der sie immer tatkräftig bei ihrer Tierschutzarbeit unterstützt hat. Sie weiß noch nicht, wie es weiter gehen wird dort. Ich sehe Verzweiflung und Hoffnungslosigkeit in ihren Augen. Sie ist verbraucht und müde von all den Jahren, die sie angefahrene, kranke Hunde aufgenommen hat, einschläfern lassen musste und wieder auf der Strasse aussetzen musste. Das zermürbt und stumpft ab auf Dauer. Jeder, der einen Hund "übrig" hat oder Urlauber die Hunde finden (im Straßengraben oder am Strand oder am Hotel), bringen sie zu ihr. Sie steht dann da, mit all der Arbeit und den Problemen und der Trauer, die das so mit sich bringt z.B. wütende Nachbarn durch bellende Hunde, tote Hunde im Kofferraum und nicht wissen wohin damit, kranke Hunde am Wochenende und kein Tierarzt kann kommen, Hunde die keiner mehr will. Wohin damit? Sie musste die ganzen Jahre manch netten oder treuen Gefährten ziehen lassen in eine ungewisse Zukunft. All das ist in ihren Augen zu lesen. Ich bewundere diese Frau, die soviel uneigennützige Arbeit und ihr ganzes Leben für diese Arbeit gegeben hat. Wieder kommt Hoffnungslosigkeit auf und die Frage: "Wie soll es hier ohne sie nur weiter gehen?" Unser geplantes Kastrationsprojekt und alle Aktivitäten sind eng an die Zusammenarbeit und Unterstützung der Leute vor Ort gebunden. Ohne vernünftige Auffangmöglichkeit kann keine Kastration durchgeführt werden...
Die Hunde vorzubereiten und ihnen eine Zukunft zu schenken, Flugpaten zu suchen und zusätzlich noch ein Umdenken in der Bevölkerung vor Ort im Bezug auf Kastration und Haltung der eigenen Tiere zu bewirken, das ist unser Ziel und Anliegen.
Bei Angelika Zuhause angekommen, gehen wir noch eine Runde mit ihren Hunden und sehen wieder einmal mehr angebundene Pferde, die dort auch an Ketten hängen, Ziegen die mit dem Vorderbein an das Hinterbein festgebunden sind, Kühe an Ketten. Hunde in kleinen Hütten oder an Bäumen mit Ketten befestigt. Zäune sind wohl auf Zakynthos Mangelware bzw. es gibt niemand Geld dafür aus, wenn es um ein Tier geht. Für uns ist das alles befremdlich und neu - für Angelika alltäglich.
Müde und voller gemischter Gefühle lassen wir den Abend mit Angelika und ihrem lieben Mann Helmut, der uns liebevoll bekocht und mit selbst gemachtem Wein verwöhnt, ausklingen. Ich bewundere die Beiden, die gelernt haben mit dem Druck zu leben und jeden Tag auf's Neue zu helfen. Angelika spricht immer wieder zwischen Abendessen und Wein mit Anrufern, in griechisch und englisch und meistens geht es um irgend einen Hund.

Was auf den Bildern noch griechisch - urig wirkt, schnürt einem in der Wirklichkeit die Luft ab.
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Der Hund lebt unter diesem Baum, an den selben befestigt an einer Kette. In der Mitte seine "Hütte" ein altes verrostetes Fass. Genau bis dahin reicht die Kette.
Am nächsten Morgen, nachdem wir abends noch lange geredet haben und nicht in den Schlaf kamen, müssen wir uns nach dem Frühstück aufmachen, um Marylin mit Arnie und Lena und bei Beryl noch Kiki abzuholen, um sie zum Tierarzt zu bringen. Arnies Bauch ist immer noch dick angeschwollen und uns wird klar, dass er so auf keinen Fall mitfliegen kann. Eigentlich bin ich schon froh, dass er noch einigermaßen munter ist und überlebt hat. Pom Pom hat auch gefressen und es diesmal bei sich behalten und muss somit Gott sei Dank heute nicht eingeschläfert werden.
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Ich bin den Tränen schon wieder nahe, aber keine Zeit, muss ja Fotos machen und Kiki halten im Wartezimmer. Die Welpen in der Kiste werden „aufgehoben“ bis Freitag und wenn sie bis dann niemand mitgenommen hat werden sie euthanasiert, da keiner sie auffangen kann. Es hört sich vielleicht hart an, aber ich frage mich: Was ist besser? Auf der Strasse langsam zu verhungern? Überfahren zu werden? An der Kette zu hängen?…oder die Spritze? Ich erschrecke mich über solche Gedanken, mit denen sich die Leute vor Ort aber schon lange auseinander setzen mussten und immer noch müssen. Es ist so leicht, alles nur aus der Ferne zu kommentieren und zu reglementieren. Vor Ort ist das alles anders. Ich hoffe, dass sich noch irgend jemand erbarmt und die Süßen vielleicht mitgenommen hat. Vielleicht tierliebe Griechen (die es ja auch noch gibt) oder ein Engländer, der einen Hund sucht. Ihr Schicksal ist mir leider o,der muss ich sagen "Gottlob", nicht bekannt.


In das Wartezimmer kommen immer wieder Jäger mit reinrassigen English- bzw. Irish-Settern und eine 3-farbige Pointerhündin mit ihrem (offenbar netten) Griechen.
Nach dem Tierarztbesuch sind wir mit einer jungen österreichischen Tierärztin und einigen anderen Helfern verabredet, um mit Beryl gemeinsam noch einmal über das anstehende Kastrationsprojekt und wie man es verwirklichen kann zu sprechen. Wir haben die Idee, für Interessierte vor Ort in einer Zeitung zu inserieren um für Kastration zu werben.
Zwischenzeitlich ruft Helmut an und erzählt Angelika, dass in der Zeitung geschrieben würde, dass am nächsten Tag die Fähre mit der wir wieder zum Festland fahren müssen streiken würde. Wir überlegen ob wir wohl mit sechs Hunden im Schlepptau, todmüde und hungrig heute noch nach Patras fahren müssen, damit wir nicht auf der Insel hängen bleiben. Zur Not müssten wir im Auto übernachten und bis zum Abflug abends warten. Keiner von uns ist von der Vorstellung begeistert. Wir beschließen erst einmal am Hafen nach zu hören was an dem Gerücht dran ist. Unser Adrenalinspiegel schnellt aber in die Höhe und wir sind schlagartig wieder munter. Wie sich später heraus stellt, dürfen wir doch noch eine weitere Nacht auf der Insel bleiben und die Fähre am nächsten Tag ganz normal benutzen - puuuuuuuh - gerade noch mal gut gegangen.
Dann machen wir uns auf zum Flughafen und vorher noch zu einer Engländerin, die in einem Reisebüro in der Nähe des Flughafens im letzten Jahr immer wieder Hunde versorgt und gefüttert hat. Krissy meint es gut mit den Vierbeinern, aber leider sind dort auch nicht alle mit der Haltung der Hunde hinter dem Haus einverstanden und so sitzt dort nun einsam nur noch Foxy, die alte Schäferhündin.
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Sie hat Arthrose in den Beinen und ist von der wenigen Bewegung ziemlich rund geworden. Die Hundehütten waren im letzen Jahr noch vorübergehend besetzt mit Hunden, die vorbereitet wurden. Das ist leider auch nicht mehr möglich dort.
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Danach geht's weiter an den nahe gelegenen Flughafen von Zakynthos. Dort leben auch immer wieder, wenn sie nicht vertrieben oder auch mal vergiftet werden, Hunde. Ein Tierschützer fährt noch nach wie vor zum füttern dort hin, damit sie wenigstens nicht hungern müssen. Wir haben dort im letzen Jahr viele Hunde wegholen können,
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Vom Flughafen weg, beschließen wir, für den Abend noch einzukaufen um zu grillen und auf dem Weg zum Supermarkt finden wir diese tote Katze.

Sie liegt mitten auf der Straße und im Einkaufsbetrieb und keiner nimmt Notiz von ihr
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Als wir beim Bäcker dann noch Brot einkaufen, fotografiere ich diese Pointerhündin. Sie lebt dort angebunden, wird aber von ihrem Besitzer gefüttert. Ich gehe während Angelika und Kirsten drinnen Brot kaufen hin und sehe mir die Hündin mal genauer an. Sie ist eher scheu und vorsichtig, nimmt aber gierig und ganz schnell die Leckerchen, die ich ihr hinhalte. Ich sehe an den Ohren, die ledrig und fransig aussehen, dass diese Hündin vermutlich krank sein wird. Sie wird Leishmaniose haben. Als Angelika und Kirsten aus dem Bäckerladen kommen, ist es um meine Disziplin geschehen und ich heule los. Das war wohl der berühmte Tropfen, der das Fass zum überlaufen brachte. Auch dieser Hündin konnten wir leider nicht helfen...
Am nächsten Morgen wurde alles für die bevorstehende Abreise vorbereitet. Boxen zusammen gebaut und wieder auseinander genommen, weil sie für das Auto doch wieder zu groß waren. Pässe und Gepäck verstaut. Marylin kommt und bingt uns Cutie. Dann holen wir Woody ab. Er konnte vorübergehend bei Engländern unterkommen. Leider auch nur an der Kette, aber immer hin sicher. Der aktive, nette Bursche ist ein großer Welpe.


Die Engländerin hat gerade ein ganz keines Kätzchen gefunden. Die Geschwister waren alle schon tot .
"So nah liegen Trauer und Hoffnung beieinander" denke ich. Am Hafen angekommen steht Beryl mit Kiki und Blaze. Als letzten Hund bekommen wir noch Pauline gebracht, die bei einer lieben Engländerin unterkriechen konnte. Dort waren wir zwischendurch auch noch irgend wann, fragt mich bitte nicht wann ;-)) Lizzy hat uns aber missverstanden und kommt erst nach nochmaligem Anruf auf den letzten Drücker. Ich schnappe mir die völlig irritierte kleine süße Pauline und gehe schnell an Bord der bald auslaufenden Fähre. Angelika steht mit dem Wagen schon an Bord und wir dürfen mit den Hunden zusammen im Auto bleiben.
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Wir machen noch einmal Rast bevor wir an den Flughafen in Araxos kommen, damit die Hunde sich noch mal lösen und etwas Wasser trinken können.
Dann ist Kirsten eingecheckt und wir hasten ans Auto, um die nächsten drei Hunde reisefertig zu machen.
Beim Abholen der Boxen stelle ich mal wieder fest, wie wenig hilfsbereit doch manche Menschen sind. Da ich keine 3 Boxen, nein noch nicht mal eine große Box auf diese komischen Wagen bekomme, spreche ich Personal an und bitte um Hilfe für einen anderen Wagen auf den auch eine Hundebox passt. Ratlosigkeit bei dem netten, dennoch hilflosen Mann vom Personal. Dann spricht mich eine "Dame" an (zuckersüß): "Ach, darf ich mal sehen? Was haben sie denn da?". "Das ist meine Chance" so denke ich. Ich bitte sie, ob sie mal eine Hand frei hätte, um mir eine Box durch die Türe nur nach außen zu fahren, wo ja die Übernehmer schon warten. Nein! Konnte sie selbstverständlich nicht, weil sie mit ihrem Mann zusammen am Band stehen und auf ihren Koffer warten muss! Danke! Deutschland, du hast mich wieder!
Es war eine Horrorfahrt und zwischendrin hab ich gedacht, ich schaff es nicht mehr.
Total übermüdet kam ich dann endlich um ca. 4 Uhr zu Hause an.
Wir bedanken uns ganz herzlich bei all den Helfern vor Ort auf Zakynthos für ihre Arbeit die sie leisten. Nun kann man vieles mit anderen Augen sehen.
Ihr seid ein tolles Team auf das man stolz sein muss und kann und ist!
Es grüßen ganz herzlich
Kirsten und Christiane
PS: Seht es mir bitte nach, wenn sich hier und da ein Fehler eingeschlichen hat. Aber das wichtigste ist, dass Ihr das Herzblut in dem Text hoffe ich ihr dennoch spüren könnt!
© Christiane Neuser